17 März Warum so viel geredet wird – und trotzdem so wenig gesagt
Warum wir manchen Menschen gebannt zuhören, während wir bei anderen innerlich wegdriften. In diesem Artikel geht es um den Unterschied zwischen Reden und Wirken – und um die zwei Zutaten, die echte rhetorische Wirkung erst möglich machen.
Es wird viel gesprochen. Aber oft wenig gesagt.
Wer kennt das nicht?
Du sitzt in einem Meeting, in einem Vortrag oder bei einem Pitch, hörst jemandem zu – und nach fünf Minuten weißt du schon nicht mehr, worum es eigentlich geht.
Es wird geredet, geredet und geredet.
Doch am Ende bleibt erstaunlich wenig zurück.
Nicht, weil diese Menschen nichts wissen oder nichts zu sagen hätten.
Sondern weil zwischen Reden und Wirken ein großer Unterschied liegt.
Man kann lange sprechen und trotzdem nichts wirklich damit sagen.
Und umgekehrt kann ein einziger Satz einen ganzen Raum verändern.
Genau dieser Unterschied interessiert mich seit vielen Jahren.
Seit mittlerweile 13 Jahren halte ich Seminare in den Bereichen Rhetorik, Persönlichkeitsentwicklung und Leadership – in Unternehmen, in Gruppen und in exklusivem Rahmen in meinem Seminarparadies in Poysdorf.
Und was mich über all die Jahre immer wieder beschäftigt hat, war ein ganz bestimmtes Feedback, das ich nach Seminaren gehört habe: „Die Gruppe war so toll.“
Egal, wer in der Gruppe war – die Gruppe war am Ende immer „so toll“.
Vielleicht hatte ich einfach nur Glück mit meinen Teilnehmern?
Interessanterweise war der zweithäufigste Satz als Feedback oft dieser:
„Die Zeit ist so schnell vergangen. Mir war keine Sekunde langweilig.“
Und genau da wurde ich hellhörig.
Denn wenn Menschen immer wieder dasselbe rückmelden, dann ist das kein Zufall. Dann steckt etwas dahinter. Dann gibt es offenbar eine Dynamik, die Wirkung erzeugt.
Für mich wurde deshalb eines immer klarer:
Die Energie im Raum ist kein Zufall.
Energie ist kein Zufall.
Und wenn die Energie nicht zufällig ist, dann ist es auch kein Zufall, dass Gruppen aufblühen, Menschen mutiger werden und plötzlich Seiten von sich zeigen, die vorher noch gar nicht sichtbar waren.
Eine Szene ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben.
Zu Beginn eines zweitägigen Rhetorik-Seminars war da ein junger Mann, der kaum ein Wort sagte. In sich gekehrt. Die Schultern hingen nach unten. Die ganze Haltung wirkte grau, fast so, als würde er sich am liebsten unsichtbar machen.
Am Ende des Seminars machen wir immer ein Gruppenfoto. In diesem Fall mit einem gemeinsamen Sprung auf „drei“.
Und ich traute meinen Augen nicht.
Genau dieser junge Mann war plötzlich mitten im Bild: scharfer Blick nach vorne, Beine angezogen, die Arme kerzengerade ausgestreckt – wie ein Geheimagent im Absprung. Ganz nach dem Motto: ready for take-off.
Die Energie hatte sich komplett gedreht.
Sie war klar. Kraftvoll. Präsenz pur.
Für mich war das ein Moment wie:
Mission impossible – completed.
Und genau hier beginnt für mich die eigentliche Frage:
Was braucht es, damit so etwas passieren kann?
Die erste Zutat: Fokus
Natürlich entsteht so eine Veränderung nie nur durch einen einzigen Faktor.
Aber wenn ich es auf einen Ausgangspunkt herunterbreche, dann ist es dieser:
Fokus.
Fokus ist die Fähigkeit, Energie zu bündeln.
Zu 100 Prozent im Hier und Jetzt zu sein.
Im Denken. Im Fühlen. Im Körper.
Wenn ein Mensch wirklich da ist, verändert sich etwas.
Wenn also ein Vortragender zu 100% präsent ist, verändert sich auch der Raum.
Vielleicht hilft dafür ein einfaches Bild:
Ein Magnet zieht nicht deshalb an, weil er laut ist. Er zieht an, weil seine Kräfte gebündelt sind.
Ist diese Bündelung schwach, passiert wenig.
Ist sie stark, verändert sich das Feld um ihn herum. Dinge richten sich aus. Etwas kommt in Bewegung.
Genau so erlebe ich es in Seminaren, in Gruppen und auf Bühnen.
Wenn jemand vorne steht und innerlich nur halb da ist, dann ist auch der Raum nie ganz da. Wenn jemand zwar spricht, aber mit einem Teil von sich noch im Zweifel, in der Angst, im Vergleichen oder in den eigenen Gedanken festhängt, dann wird das spürbar.
Nicht immer bewusst. Aber deutlich.
Die Menschen verlieren dann ihre Aufmerksamkeit.
Sie verlieren den Faden.
Sie steigen innerlich aus.
Nicht, weil sie unaufmerksam sind.
Sondern weil keine gebündelte Kraft da ist, die sie wirklich hält.
Und genau deshalb ist Aufmerksamkeit für mich kein Zufall.
Sie entsteht dort, wo Energie gebündelt ist.
Das war für mich über Jahre hinweg kein netter Nebeneffekt meiner Arbeit, sondern ein echtes Forschungsfeld. Ich wollte wissen: Was genau erzeugt diese Form von Aufmerksamkeit? Und kann man sie lernen?
Meine Antwort nach 13 Jahren ist ganz klar:
Ja, man kann.
Und mehr noch:
Es ist oft leichter, als viele denken.
Die zweite Zutat: Verbindung mit dir selbst
Doch Fokus allein reicht nicht.
Denn was passiert, wenn etwas Ungeplantes geschieht?
Wenn jemand dazwischenredet?
Wenn die Energie kippt?
Wenn dein Einstieg nicht funktioniert?
Wenn plötzlich etwas ganz anderes passiert als gedacht?
Dann zeigt sich, worauf du wirklich gebaut hast.
Vor Kurzem war ich bei einem Netzwerktreffen. Jeder Teilnehmer hatte 30 Sekunden Zeit, um sich in Form eines kurzen Pitches vorzustellen.
Einer der Teilnehmer wollte besonders originell einsteigen und begann mit einer rhetorischen Frage. Vermutlich in der Hoffnung, dass sie einfach als Stilmittel im Raum stehen bleibt.
Nur kam unerwartet eine Antwort.
Und in genau diesem Moment verlor er seinen Faden – und kurz auch die Fassung.
Nicht, weil die Frage schlecht gewesen wäre.
Sondern weil er mit einer Antwort nicht gerechnet hatte. Sein Skript im Kopf war schon fertig gebaut und sollte einfach abgespult werden.
Ist das schlimm?
Nein.
Aber es zeigt etwas sehr Entscheidendes.
Wenn die Verbindung zum eigenen inneren Inhalt nicht da ist, wenn keine echte Verbindung zum eigenen Wissen, zum eigenen Plan, zum eigenen Kern besteht, dann reicht oft schon eine kleine Irritation – und der Faden ist weg.
Dann merkt man plötzlich:
Ich weiß gerade nicht mehr, was ich sagen wollte.
Nicht, weil das Wissen weg ist.
Sondern weil die Verbindung dazu abgerissen ist.
Und genau das ist der zweite entscheidende Punkt:
Verbindung mit dir selbst.
Wenn du mit dir selbst verbunden bist, dann bist du nicht auf ein starres Skript angewiesen. Dann kannst du reagieren. Dann kannst du atmen. Dann kannst du im Moment bleiben. Dann wirst du dich auch von etwas Unerwartetem nicht sofort aus der Bahn werfen lassen.
Was wäre gewesen, wenn dieser Pitch nur eine Leitlinie gewesen wäre – und kein starres inneres Abspulprogramm? Was wäre gewesen, wenn da genug Verbindung zum eigenen Inhalt da gewesen wäre, um die Antwort aufzugreifen und kurz damit zu spielen?
Vermutlich wäre genau das passiert, was Souveränität ausmacht:
Er hätte den Moment ganz selbstverständlich mit einem Schmunzeln genommen.
Die zwei Superkräfte echter Wirkung
Wenn ich alles, was ich in diesen 13 Jahren beobachtet, erforscht und trainiert habe, auf zwei Dinge herunterbreche, dann sind es diese:
1. Fokus
2. Verbindung mit dir selbst
Mehr braucht es im Kern nicht.
Aber diese zwei Dinge verändern alles.
Wer seinen Fokus nicht halten kann, verliert den Raum.
Wer die Verbindung zu sich selbst verliert, verliert früher oder später auch die Verbindung zum Publikum.
Und genau deshalb ist Rhetorik für mich nie nur eine Frage von Technik gewesen.
Rhetorik ist ein Thema von innerer Führung.
Es geht um die Führung der eigenen Energie.
Um die Führung von Aufmerksamkeit.
Und um die Fähigkeit, bei sich zu bleiben – auch dann, wenn etwas anders läuft als geplant.
Viele reden mit Worten.
Wenige führen mit Energie.
Gute Rhetorik beginnt vor dem ersten Satz
Menschen verlieren auf Bühnen nicht deshalb den roten Faden, weil sie ihren Inhalt nicht kennen. Sie verlieren ihn, weil sie in dem Moment den Kontakt zu sich selbst verlieren.
Ein Blick aus dem Publikum.
Ein innerer Zweifel.
Ein kurzer Schreckmoment.
Und plötzlich ist etwas verrutscht.
Dann beginnt das Suchen.
Im Kopf. Im Raum. Im Außen.
Was in Wahrheit fehlt, ist nicht Wissen – sondern Verbindung.
Deshalb hilft in solchen Momenten oft nicht noch mehr Kontrolle.
Sondern genau das Gegenteil: zurück zur eigenen Verbindung.
Ich habe mir angewöhnt, Vorträge und Seminare eher als Gespräch zu sehen. Und wenn mir tatsächlich einmal der Faden kurz entgleitet, dann sage ich das auch.
Zum Beispiel so:
„Oh, Moment, ich habe gerade den Faden verloren.“
Oder:
„Einen Moment, ich sammle mich kurz, damit ich es auf den Punkt bringen kann.“
Dann atme ich.
Ich zentriere mich.
Und gehe wieder in Verbindung.
Noch nie hat sich daran jemand gestoßen. Im Gegenteil. Es wirkt menschlich, echt und präsent.
Denn genau in solchen Momenten zeigt sich, ob jemand wirklich da ist.
Worte wirken nur, wenn der Mensch dahinter verbunden ist
Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum manche Seminare, Workshops oder Vorträge in Erinnerung bleiben – und andere nicht.
Nicht, weil dort mehr Information vermittelt wurde oder die Folien so schön waren.
Sondern weil da jemand war, der einen Raum halten konnte.
Dann sagen Menschen später eben nicht:
„Die Struktur war exzellent.“
Sondern sie sagen:
„Die Gruppe war so toll.“
„Es war keine Sekunde langweilig.“
„Ich war völlig drin.“
„Ich habe alles rundherum vergessen.“
Und genau darum geht es.
Nicht darum, gut zu reden, um gut zu reden.
Sondern darum, mit Worten, Haltung und Präsenz einen Raum so zu führen, dass Menschen in Verbindung kommen – mit dir, mit dem Thema und vor allem mit sich selbst.
Mein Fazit nach 13 Jahren: Es gibt ein Rezept.
Energie ist kein Zufall.
Wirkung ist kein Zufall.
Aufmerksamkeit ist kein Zufall.
Es gibt dafür ein Rezept.
Nicht im Sinn einer starren Methode.
Aber im Sinn von zwei klaren Zutaten:
Fokus.
Verbindung mit dir selbst.
Das ist mein Forschungsfeld.
Und es ist meine Leidenschaft, genau das anderen beizubringen.
Denn wenn Menschen verstehen, wie sie ihre Energie bündeln, ihren Fokus halten und mit sich selbst verbunden bleiben, dann verändert sich ihre Art zu sprechen fast von selbst.
Dann wird Sprache klarer.
Präsenz stärker.
Wirkung echter.
Und genau deshalb ist gute Rhetorik für mich viel mehr als schönes Sprechen.
Sie ist gelebte innere Führung.
Darum geht es in meinem Rhetorik-Seminar „Frei und inspiriert Reden“
Genau an diesen Themen arbeite ich mit einer kleinen Gruppe in meinen nächsten zweitägigen Rhetorik-Seminaren in Poysdorf.
Es geht nicht darum, Floskeln zu lernen oder eine perfekte Rolle zu spielen.
Es geht darum, echte Präsenz zu entwickeln.
Zu lernen, wie du Aufmerksamkeit erzeugst und hältst.
Wie du frei sprichst.
Wie du den roten Faden behältst.
Wie du mit Störungen umgehst.
Und wie du so bei dir bleibst, dass dich deine Worte tragen.
Wir arbeiten praktisch, konkret und interaktiv – im Seminarraum, im Garten, in Bewegung, mit Weite, mit Perspektivenwechsel und auch auf der großen Bühne im über 400 Jahre alten Weinkeller.
Der Rahmen ist bewusst klein und persönlich.
Denn genau dort entsteht oft die Tiefe, in der echte Entwicklung möglich wird.
Es geht um Fokus.
Um Verbindung.
Um Präsenz.
Und darum, dass du nicht nur besser sprichst – sondern freier, klarer und wirksamer wirst.
Und das Schöne dabei ist… du wirst als jemand anderer gehen, als der du gekommen bist.
Nächste Termine für das Rhetorik-Seminar:
Fr./Sa. 22./23. Mai 2026
Fr./Sa. 12./13. Juni 2026
Ort: Seminarparadies in Poysdorf / Österreich
Trainerin: Dr. Verena Thiem
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Mehr Informationen und Anmeldung hier.
Ich freue mich auf dich bei zwei magischen Tagen im Weinviertel!
